Neues Buch incoming, Zweifel

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Nein, ich bin nicht Dietmar Dath. Ich habe bloß dieses Jahr zwei Bücher gemacht. Ich mag deshalb auch immer noch keinen Metal (ich mag alles an Metal, aber nicht die Musik). Da Dath auch nicht mehr bei der FAZ ist, haben wir schon zwei Sachen gemeinsam. Ich habe die beiden Bücher auch nicht dieses Jahr geschrieben. Sie kommen bloß dicht hintereinander raus. Womit wir auch schon beim Thema wären, ich habe die sehr schnell gemacht und beiden Büchern merkt man das auf unterschiedliche Weise an.

Das eine war „Mit fremden Augen“ (Fanpro/Rocket Books), mein DSA-Roman. Dicker, ich freue mich immer noch so sehr, dass ich MEINEM INNEREN KIND eine Veröffentlichung mit dem schwarzen Auge drauf schenken durfte. Es sieht auch noch echt cool aus. Inhaltlich bin ich auch ganz zufrieden, es hätte aber ehrlich gesagt besser sein können. Die Entstehungsgeschichte war wirr; aus einer Kurzgeschichte wurde eine Erzählung und dann eine handvoll miteinander verzahnter Erzählungen, die schon einen Roman bilden, aber hier und da knirscht es im Gebälk. Ich glaube, die Verlagsleute finden das alles auch cool, aber es sind so ältere Dudes mit Spezialinteressen (Wein, Weltrevolution, Hippiemusik, Gemütlichkeit), da hätte man, ich sage mal: STRINGENTER drübergucken können. Ey, ich beschwere mich nicht. Es ist geil, dass das Buch da ist, und als ich mich endlich getraut habe, es doch noch mal selbst anzugucken, fand ich es echt unterhaltsam. Es verbindet wirklich viele Sachen, die ich heute noch an Aventurien geil finde (auch wenn ich das aktuelle DSA nur noch dann spiele, wenn ich aus dem Umfeld meiner Kinder dazu gezwungen werde, und dann ist es hinter den Kulissen CAIRN oder so). Mich haben einige nette Reaktionen erreicht, das ist alles cool.

Jetzt abgegeben, überarbeitet, noch mal abgegeben und mit Cover versehen (darf ich noch nicht zeigen) und im Endlektorat: WIR SIND NICHT ZUM TANZEN HIER (Querverlag). Kommt im Frühjahr 27. Ich habe Bedenken zu diesem Buch. Manche davon sind normale Autor*innen-Bedenken. Andere speziell. Ich zähle die einfach mal auf:

Also, ich schreibe meine Bücher in Zeit, die ich nicht habe. Ich habe nicht mal einen eigenen Schreibtisch. Mein Laptop ist 15 Jahre alt. Ich schreibe manchmal per Handy auf dem Klo (wie auch alle meine Zeitungsartikel, jetzt ist es raus.) Und selbst da klopft noch ein Kind und sagt, wann bist du endlich FERTIG, du SOLLST nicht immer auf deinem Handy tippen, wo sind meine Pokemon-Karten. Durch diese Produktionsbedingungen werden manche Sachen nicht geil. Ich könnte mir „einfach mehr Zeit lassen“ für „Überarbeitung“, aber Dicker, ich HABE keine Zeit, die Sachen müssen raus (meine Persönlichkeit, Klo?) und Überarbeiten fällt mir noch schwerer, wenn der Ehemann sagt, wann gehst du mal einkaufen, ich muss hier Anträge schreiben. Es wird nicht besser.

Speziell bei WIR SIND NICHT ZUM TANZEN HIER: Thema Überfall auf einen queeren Club, Amoklauf, neue Rechte. Wie du das machst, ist es beschissen, weil ja diese Sache beschissen ist. Eigentlich sollte es ein straighter Thriller werden, aber mein Verleger war so skeptisch und ich auch, da habe ich wieder alles lustig gemacht. Was schief gehen kann, bei dem Thema. Es ist glaube ich nicht schiefgegangen, aber. Na ja. Ich versuche mir zu sagen, das ist so eine queere Strategie, die sich ABBILDET in dem Text. Vielleicht ist das aber nur Selbstbeschiss.

Ein Thema, das mich schon lange beschäftigt: Figuren, die sich wandeln. Wie konsistent muss ein Text sein? Ich habe schon länger Zweifel an der Forderung, dass sich alles folgerichtig entwickeln muss. Menschen entwickeln sich nicht folgerichtig. Es kommt zu überraschenden, schnellen Brüchen. Sie sind ganz anders, als sie selbst gedacht haben. Vor allem queere Menschen, aber nicht nur. So soll das auch in Büchern sein. In dieser Club-Umgebung verschwinden Leute manchmal einfach, ohne dass etwas geklärt ist. Es ist Absicht und die Figuren reden auch darüber. Aber ist das nachvollziehbar? Wie machst du das nachvollziehbar als Autor, wenn du die klassische Figurenlogik anzweifelst? Einfach nur „ätsch, falsch gedacht“ ist ja auch komisch. Hin zu einer anderen, vielleicht queeren Art, wie sich Figuren entwickeln, aber wie geht das?

Ein Gegenpol im Roman zum Flux ist die lebenslange Freundschaft zweier alter Männer, in der aber auch viel passiert. Wenn ich schreibe „alt“, dann meine ich: bisschen älter als ich. Ich wäre in so einer Discolandschaft ja auch schon ein Fremdkörper. Für wen schreibe ich denn? Junge Leseratten finden das alles befremdlich. Für Ältere ist es zu grell, zu nahe an irgendwas, was nicht fertig und abgehangen ist.

Es sind außerdem wieder 1000 Verweise drin auf Sachen, die wieder keine*r kennt. Pasolini, Andreas Reckwitz. Atari-Spiele. Grateful Dead. Entwicklung deutscher Innenstädte. Gesetzeslage zu Lebensmittelbestrahlung und Fahrstuhltechnik. Samuel Delany und Angela Carter. Die Literaturleute werden das wieder zu schmuddelig finden und die Genredudes zu schwul und poppig.

Was ich selber aber wieder gut finde: Es bleibt geschlechtlich und sexmäßig wieder schön uneindeutig, aber darin auch wieder pornohaft.

Einer muss es ja machen.

Das nächste Buch wird SF.

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